Sicherheit beim Reiten

Sicherheit sollte beim Reiten stets an erster Stelle stehen. Ob mit einem baumlosen Sattel oder klassisch mit Baum, es gibt einige Aspekte rund um das Thema Sicherheit die jede/r beachten sollte!

So schützt ein Reithelm

Reiten ist ein Risikosport! Besonders der Umgang mit dem Pferd, welches unter Umständen nicht immer kontrollierbar werden kann ist schwer vorherzusehen. Um das Risiko möglichst gering zu halten, sollten bestimmte Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden, die zwar keine Unfälle verhindern, dir aber im Ernstfall bestmöglichen Schutz bieten können. Wenn es um die Sicherheit beim Reiten geht, ist vor allem der Reithelm nicht wegzudenken.

Anders als im Motorradsport, gibt es keine gesetzliche Helmpflicht beim Reiten. Auf Turnieren müssen Teilnehmer/innen jedoch bis zur Volljägrigkeit aus versicherungstechnischen Gründen einen Helm tragen. Beim Springreiten und Vielseitigkeitssport greift die Pflicht altersunabhängig bei allen Reiter/innen.
Der Reitsport gehört zu den drei Sportarten mit den meisten Unfällen. Schließlich passieren jedes Jahr bis zu 93.000 Unfälle mit Pferden. Diese Zahlen stammen aus der Statistik der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Die Hälfte aller Patient/innen, die nach einem Reitunfall ins Krankenhaus kommen, sind zudem jünger als 18 Jahre.

Ein Reithelm schützt dich nicht nur bei einem Sturz, er mildert beispielsweiae auch den Tritt eines Pferdes mit dem Huf ab. Deshalb sind Reithelme im Vergleich zu Fahrradhelmen deutlich stabiler. Ein Fahrradhelm sollte deshalb nicht als Alternative beim Reiten genutzt werden.

Wie kann ich die Sicherheit eines Reithelms prüfen?

Reithelme müssen den europäischen Sicherheitsnormen entsprechen sofern sie im EU Raum verkauft werden. Das entsprechende CE-Kennzeichen ist eine Bestätigung des Herstellers, dass der Helm nach den europäischen Richtlinien für persönliche Schutzausrüstung hergestellt wurde. Die europäischen Sicherheitsnormen werden von fortlaufend angepasst. Ende 2014 löste die VG1 die alte Norm EN 1384:2012 ab. Seit August 2017 ist die neu überarbeitete Norm, EN 1384:2017, in Kraft getreten.
Wenn du einen Reithelm kaufst, solltest du also darauf achten, dass der Helm der neusten CE-Norm entspricht.

Wann sollte ich meinen Reithelm gegen einen Neuen tauschen?

Die Hersteller als auch die Stiftung Warentest empfehlen den Helm alle 5 bis 8 Jahre zu ersetzen. Der Helm ist UV Strahlung, Wärme und Kälte Alterungsprozessen ausgesetzt und sollte daher nach mehrjährigem Gebrauch ausgetauscht werden, auch wenn keine Beschädigungen sichtbar sind. Nach einem Sturz sollte der Helm nicht mehr verwendet werden, selbst wenn keine Mängel sichtbar sind. Manche Beschädigungen sind von Außen nicht zu erkennen, die Schutzwirkung könnte jedoch trotzdem beeinträchtigt sein.

Wie kann ich die richtige Größe für einen Reithelm ermitteln?

Für die richtige Größe benötigst du ein Maßband mit dem du den Umfang deines Kopfes misst. Lege es dazu von deiner Stirn über die Ohren um den Hinterkopf. Die gemessene Länge in Zentimetern (cm) entspricht der Größe für deinen neuen Reithelm.
Die kleinsten Größen fangen bei 46 bis 52 Zentimetern an. Ab 60 cm starten die Sondergrößen für Erwachsene mit einem besonders großen Kopf.
49 bis 50 Zentimeter = XXXS (Kindergröße)
51 bis 52 Zentimeter = XXS (Kindergröße)
53 bis 54 Zentimeter = XS
55 bis 56 Zentimeter = S
57 bis 58 Zentimeter = M
59 bis 60 Zentimeter = L
61 bis 62 Zentimeter = XL
63 bis 64 Zentimeter = XXL

Wie ist der Helm richtig positioniert?

Der Reithelm sollte waagerecht auf dem Kopf liegen. Die Stirn muss gut geschützt sein, gleichzeitig darf der Helm vorne nicht zu tief Sitzen, da sonst die Sicht beeinträchtigt ist. Um die Passform zu testen kannst du folgendes ausprobieren: Lass den Kinnriemen offen und beuge den Körper nach unten. Der Helm sollte dabei nicht nach vorne rutschen oder herunterfallen.
Viele Helme sind stufenlos verstellbar, was im Alltag sehr praktisch ist. Du kannst den Helm passgenau einstellen und im Winter z. B. auch ein Stirnband darunter tragen. Bei den meisten Modellen gibt es ein Rädchen am Hinterkopf zur Verstellung der Größe. Mithilfe dieses Rädchens kannst du die Weite und teilweise auch die Höhe der Reitkappen einstellen. Helme ohne stufenlose Anpassung können sich teilweise trotzdem dank Memory-Schaum oder anderen Materialen perfekt deiner Kopfform anpassen.

Welche unterschiedlichen Modelle gibt es?

Das Angebot ist ebenso breit gefächert, wie die Ansprüche oder Geschmäcker der Reiter/innen. So wünschen sich Freizeitreiter eine andere Kappe als Spring- oder Dressurreiter. Äußerlich kannst du dich bspw. zwischen einem Reithelm mit Samt- oder mit einer Kunststoffbeschichtung entscheiden. Samt galt jahrelang als der Klassiker, den viele Reiter/innen aus ihrer Kindheit noch kennen. Heute setzen die Hersteller auf abwaschbare und belastbare Oberflächen aus Kunststoff.

1. Klassische Reitkappe: Dank ihrer Eleganz sind die Reitkappen im Dressursport oft zu sehen. Leider fehlt dem Material eine stoßdämpfende und seitliche Polsterung. Außerdem ist dieses Modell ist in der Größe nicht variabel einstellbar

2. Moderner Reithelm: Diese Modelle kombinieren Stoßdämpfund, eine Polsterung und einen breiten Kinnriemen. Zudem lassen sich die neuesten Helme in der Größe variabel auf unterschiedliche Reiter/innen einstellen.



3. Robuster Reithelm: Diese Modelle werden oftmals ohne Schirm produziert und sind vor allem im Vielseitigkeitssport anzutreffen. Im direkten Vergleich sind sie deutlich schwerer und verfügen, zum Schutz des Nackens, über einen längeren Schnitt.

4. Individualisierte Reithelme: Wer ein besonders hohes Maß an Sicherheit und Komfort mit individuellem Design kombinieren möchte kann sich auch seinen eigenen Reithelm konfigurieren. Über den Samshield Reithelm Konfigurator kannst du für Schale, Top, Trim und Blason zwischen diversen Varianten wählen und zusätzlich durch Extras wie eine Gravur oder Flaggen eigene Akzente setzen. Alle Varianten haben eine Außenschale aus Polycarbonat. Dies macht den Helm extrem robust ohne zu schwer zu sein. Der Memmoryfoam im Inneren sorgt für eine perfekte Passform, sodass er angenehm zu tragen ist und auch bei schweren Stürzen nicht kippt. Zudem ist das Inlay waschbar und der Helm ist gut durchlüftet, wodurch er hygienisch gehalten werden kann. Ein besonderer Vorteil von Samshield Reithelmen ist auch, dass man das Inlay austauschen kann. Hierdurch kann der Helm (zumindest zu einem gewissen Maß) mitwachsen. Die hohe Qualität hat allerdings auch ihren Preis. In der Grundausstattung kostet der Samshield Reithelmen 345€ und kann je nach Konfiguration bis über 1000€ teuer werden. Dafür bekommt man neben der Qualität ein hohes Maß an Individualität.

Schutzweste und Rückenprotektor

Wer viel im Gelände reitet oder sogar im Springsport aktiv ist sollte neben dem Kopf auch seinen Rücken schätzen, da hier bei Stürzen ernste Verletzungen entstehen können. Schädigungen an der Wirbelsäule können zu irreversiblen Schäden wie Lähmung führen. Zum Schutz kann man entweder einen einfachen Rückenprotektor (oder auch Rückenpanzer), eine Sicherheitsweste oder eine Schutzweste mit Airbag wählen. Schutzwesten mit Airbag werden zum Glück immer mehr zum Trend bei Geländeausritten, da sie den höchsten Schutz bieten. Gerade bei Kindern, beim Reiten mit jungen oder noch nicht eingerittenen Pferden sieht man immer mehr Schutzwesten.

Was unterscheidet eine Schutzweste von einem Rückenprotektor?

Während ein Rückenprotektor durch seine Panzerung primär die Wirbelsäule schützt, bietet eine Schutzweste wesentlich mehr Sicherheit. Neben der Wirbelsäule werden auch Rippen, Schulter, Brust- und Schlüsselbein durch die Airbagfunktion geschützt. Da gerade Rippenbrüche zu einer häufigen Verletzung bei Reitunfällen zählt, ist dieser zusätzliche Schutz im Ernstfall sehr wichtig. Dafür sind Rückenprotektoren wesentlich günstiger und schützen mit der Wirbelsäule neben dem Kopf den kritischsten Bereich. Wie bereits erwähnt können Verletzungen an der Wirbelsäule zu einer Querschnittslähmung führen.

Vorteile einer Schutzweste mit Airbag vs. Rückenprotektor

• Optimaler Schutz des gesamten Rumpfes
• Höherer Tragekomfort
• In der Regel Schutzlevel 3 nach EN 13158

Wie funktioniert eine Schutzweste mit Airbag?

In der Schutzweste ist eine Gaskartusche integriert. An der Jacke ist eine Schlaufe, die am Sattel befestigt wird. Sobald ihr vom Sattel fallt zieht die Schlaufe den Auslösemechanismus und das Gas aus der Kartusche wird in den Airbag geleitet. Wichtig: die Schlaufe darf weder zu straff noch zu locker sein, sonst ist der Schutz der Weste nicht gewährleistet. Es sollte genug Spiel sein, damit der Airbag nicht bei normalen Bewegungen beim Reiten auslöst. Sie sollte aber auch straff genug sein, damit der Airbag im Ernstfall auch frühgenug auslöst. Im folgenden Video seht ihr genauer, wie ihr die Schutzweste in Betrieb nehmt.

Es gibt mittlerweile viele Anbieter von Schutzwesten. Heilte, Airowear und Point Two gehören dabei zu den etabliertesten Marken. Ersatz Gaskartuschen und Reissleinen findet ihr z.B. hier.

Schutzwesten für Kinder

Gerade, wenn Kinder noch nicht so lange reiten, können sie Risiken nicht so gut einschätzen wie erfahrene Reiter. Daher sollten gerade Kinder Schutzwesten tragen. Je nach Erfahrung kann eine Schutzweste ohne Airbag die bessere Wahl für Kinder sein, da Airbagwesten unbedingt richtig eingestellt sein müssen, um den nötigen Schutz zu bieten. Schutzwesten in Kindergrößen gibt es z.B. von Airowear https://amzn.to/3cDbkfK . Wenn es doch eine Airbagweste für dein Kind sein soll gibt es z.B. gute Modelle von Heilte. Bei den größenangaben gibt es leider je nach Anbieter unterschiedliche Richtwerterte. Hier sind zur Orientierung die Größenangaben für Airowear Outlyne Schutzwesten:

Y 1 regular = Brust 51-56 cm, Rücken 31 cm (entspricht etwa dem Alter 2-4)

Y 2 short = Brust 51-56 cm, Rücken 34 cm (entspricht etwa dem Alter 3-5)

Y 2 regular = Brust 54-60 cm. Rücken 37 cm (entspricht etwa dem Alter 3-5)

Y 2 long = Brust 51-56 cm, Rücken 40 cm (entspricht etwa dem Alter 3-5)

Y 3 short = Brust 59-66 cm, Rücken 37 cm (entspricht etwa dem Alter 6-9)

Y 3 regular = Brust 59-66 cm. Rücken 40 cm (entspricht etwa dem Alter 6-9)

Y 3 long = Brust 59-66 cm, Rücken 44 cm (entspricht etwa dem Alter 6-9)

Hier sehen sie einmal eine Kinderschutzweste und einen einfachen Rückenprotektor für Kinder:

Wie messe ich die Größe für eine Sicherheitsweste?

Je nach Anbieter können bis zu 3 Größenangaben zur Messung der richtigen Größe für Ihre Schutzweste benötigt werden: Brustumfang, Taillenumfang und Rückenlänge. Es wird empfohlen sich zum Messen auf den Sattel zu setzen, da so die Maße in der richtigen Stellung gemessen werden kann. Zudem wird die Weste über dünner Kleidung getragen aber z.B. unter einer Winterjacke. Daher sollte man sich zum Messen Klamotten anziehen, die man typischerweise auch beim Reiten tragen würde. Nimm dir zum Messen ein Maßband.
Die Rückenlänge wird von den Schultern, beziehungsweise vom größten spürbaren Halswirbel bis runter zum Steißbein bei gestrecktem Rücken gemessen. Beim messen sollten noch etwas 5cm platz bis zum Sattel sein. Sonst kann die Schutzweste beim Reiten unangenehm werden.
Der Brustumfang wird an der breitesten Stelle gemessen. Wichtig ist, dass manche Hersteller bei den Frauenmodellen empfehlen für den Brustumfang eine Nummer kleiner zu nehmen als gemessen.
Der Taillenumfang wird an der schmalsten stelle, knapp oberhalb des Bauchnabels gemessen.

Notfallsysteme mit GPS

Wenn es zu einem schlimmen Sturz kommt, ist es wichtig, dass ihr schnell Hilfe bekommt. Gerade im Gelände kann es schwer sein deine Position genau zu beschreiben. Zudem kann es auch vorkommen, dass ihr durch den Sturz bewusstlos werdet und somit nicht in der Lage seid Hilfe zu rufen. Daher sind GPS-Notfallsysteme extrem hilfreich. Eine Lösung ist der Guardian Horse. Dabei handelt es sich um eine digitale Notfallhilfe, die Hilfe ruft, sobald ihr einen Unfall hattet. Der Guardian Horse ist ein Bluetooth Tracker, der am Sattel oder der Trense mit einer kleinen Schlaufe befestigt wird. Dieser kann mit einer App verbunden werden. Entfernt sich der Tracker vom Smartphone wird ein Unfall vermutet und ein Alarmcountdown ausgelöst. Wird dieser nicht ausgeschaltet wird eine zuvor hinterlegte Notfallnummer per SMS samt Wegbeschreibung zum Unfallort benachrichtigt. Zudem erkennt die neue Generation auch Unfälle bei denen das Pferd nicht von der Unfallstelle wegläut. Da der Guardian Horse sehr leicht zu bedienen, im Vergleich zu anderen Notfallsystemen sehr günstig ist und zudem den Akku für den Notfallmoment spart, halten wird ihn bei jedem Ausritt ohne Begleitung für eine Pflichtausrüstung. Aber auch bei Gruppenausritten kann schnelle Hilfe bei Unfällen entscheidend sein. Nicht jeder hat in einer Schocksituation die Nerven GPS Koordinaten herauszufinden und an den Rettungsdienst zu übermitteln. Das Notfallsystem wird u.a. von bekannten Pferdetrainer*innen wie Sandra Schneider empfohlen.

guardianhorse.de